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Peter Herrmann

Peter Herrmann im Atelier, Berlin-Spandau

Peter Herrmann sitzt gemütlich in seinem Atelier auf seinen Gehstock gelehnt, an seinem langen Tisch. Hinter ihm stehen Regale, bis oben hin gefüllt mit seinen Werken. Peter und seine Frau Anke bieten immer sofort Getränke oder etwas zu essen an. Gastfreundschaft und Gespräche über Kunst, Lebensgeschichten und Politik sind bei ihnen immer willkommen.

Herrmanns großformatiges Ölbild ›In den sächsischen Wäldern‹ von 2003 zeigt DDR-Soldaten in Vorbereitung auf den russischen Einmarsch 1968 zur Niederschlagung des Prager Frühlings. Diese brisante Situation hätte im schlimmsten Fall all diese jungen Männer das Leben kosten können. Weil es thematisch und geschichtlich hochspannend ist, wurde es gemeinsam für die VI. MKH-Biennale ausgewählt. Peter beschreibt dabei, dass der Mensch immer nach Ablenkung und Auswegen sucht; und dass er sich vorgestellt hat, wie diese Soldaten sich notgedrungen einfache Beschäftigungen suchen und im Wald Pilze sammeln gehen. Herrmann wurde selber ausgemustert und arbeitete zu der Zeit als Transportarbeiter. Mit seinem Freund Peter Graf hörten sie in dieser Zeit pausenlos »Radio Prag«, welcher konstant von einem Störsender unterbrochen wurde.

Immer wieder malt er die ihn umgebenden Menschen, beobachtet seine Umwelt und dokumentiert so auf seine Weise auch politische Ereignisse wie das Bild ›Sieger der Geschichte auf dem Abmarsch‹ von 2003 zeigt. Wer schreibt Geschichte und wer sind Sieger, falls es sie überhaupt gibt? Was es darstellt, ist die scheinbar periodische Wiederkehr und Vergänglichkeit. 1937 geboren, erlebte er die Zerstörung von Dresden, dann Hamburgs, 1945 erlebte er achtjährig den schrecklichen Nachkriegswinter. Er beginnt zu zeichnen und nimmt 1961 an der Ausstellung »Junge Künstler, Malerei« der Akademie der Künste in Berlin teil.

Während einer gemeinsamen Ausstellung in Paris wurde Peter Herrmann bei einer Bootsfahrt auf der Seine von einem Blitz getroffen. Die Kraft des Einschlags riss ihn von seiner Sitzbank – Scheib, der den ausgeteilten Regenschirmen in Anbetracht ihrer leitenden Funktion von Anfang an nicht traute, fürchtete um das Leben seines Freundes. Hinterher lachten sie herzlich darüber und tranken auf den Schreck acht »Eau de Vie«, ›Lebenswasser‹.
Immer wieder tauchen in Herrmanns Werken Gesichter aus dem Freundeskreis auf. Den von Scheib geschaffenen Bronzeguss ›Peters Kopf‹ vollendete er selber durch eine kräftige, in Grüntönen gehaltene Bemalung. Die Skulptur steht in Herrmanns Atelier in Spandau gut sichtbar auf dem Schrank, wo die beiden bis vor kurzem noch Tür an Tür arbeiteten.
Zum Werk »Aufruhr« von 2004 erzählt er folgendes: ›Meine Interpretation ist, dass die Maschine es satthat, immer nur Kaffee für die Menschen zu kochen. Nie kocht ihr jemand Kaffee.‹ In Zeiten der rasend voranschreitenden Entwicklung künstlicher Intelligenz bekommt der Inhalt plötzlich eine ganz andere Dringlichkeit.

Peter Herrmann – Aufruhr, 2004
»Aufruhr«, Öl auf Leinwand, 125 × 315 cm, 2004

Peter Herrmann
Maler

1937 geboren in Großschönau/Lausitz, lebt und arbeitet in Berlin-Spandau
1951 Lehre als Chemiegraf, Dresden
ab 1953 Teilnahme am Malzirkel der Volkshochschule bei Jürgen Böttcher/Strawalde; Mitschüler und Freunde: Peter Graf, Winfried Dierske, Peter Makolies und Ralf Winkler/A. R. Penck
1971 freiberuflich als Maler
1974 nach Protest im Zentralvorstand erneut Kandidat des VBK, später auch Mitglied als freischaffender Maler
1975 Interview mit Peter Graf und Henry Schumann für das Buch »Ateliergespräche«
1977 Mitbegründer der Obergrabenpresse in Dresden
1982 Antrag auf Ausreise aus der DDR
1984 Übersiedlung nach Hamburg
1985 Aufenthalt bei A. R. Penck in London
seit 1986 in Berlin (West)

Auszeichnungen

1998 Villa-Romana-Preis, Florenz
2001 Fred-Thieler-Preis für Malerei der Berlinischen Galerie, Berlin

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen

  • Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen
  • Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Berlin
  • Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Berlin
  • Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland
  • Kunstmuseum Dieselkraftwerk, Cottbus
  • Staatliche Kunstsammlungen, Galerie Neue Meister/Kupferstichkabinett, Dresden
  • Künstlerhaus Villa Romana, Florenz
  • Kunstsammlung der Deutschen Bundesbank, Frankfurt am Main
  • Museum Ludwig, Köln
  • Museum der bildenden Künste, Leipzig
  • Kunstmuseum Unser Lieben Frauen, Magdeburg
  • Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn
  • Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Washington D.C.

Seit 1961 regelmäßige Ausstellungen im In- und Ausland

Auf einen Blick

30. August – 27. September 2026
Martinikirche · Halberstadt
Öffnungszeiten Mo–So 11:00–16:00