ilka Leukefeld ist Installationskünstlerin. Ihre Eltern, Bärbel und Klaus Herre, zogen 1970 nach Halberstadt. Nach der Lehre als Orthopädieschuhmacherin lebte sie bis zur Maueröffnung zwei Jahre im Prenzlauer Berg in einer besetzten Wohnung, im Hinterhaus der Schliemannstraße. Sabine Scheib, eine ihrer besten Freundinnen, war zu dieser Zeit schon auf der anderen Seite der Mauer. Die Familie Scheib hatte Einreiseverbot und so mussten sie sich heimlich in der Tschechoslowakischen Republik treffen.
In Ost-Berlin war sie in einer freien Straßentheatergruppe und unterschrieb dort sofort die Mitgliedschaft beim Neuen Forum. Bei einer der Novemberdemonstrationen wurde sie verhaftet und 24 Stunden in Rummelburg hinter entsicherten Maschinengewehren festgehalten. Die Inhaftierten, viele ihrer Freund:innen, fanden sich in derselben, oder in anliegenden Zellen wieder, fürchteten um ihr Leben. Die wieder Entlassenen wurden argwöhnisch beäugt – haben sie sich ›gedreht‹, oder waren sie von Anfang an bei den Spitzeln der Regierung? Es war absolutes Chaos. Migrationsrekorde in den Westen, Soldaten auf Lieferwagen, Reisebusse gefüllt mit Stasileuten, Demonstrant:innen die sich als Stasischläger entpuppten. Und gerade, weil Leukefeld sich eine Veränderung in ihrem Land ersehnte, war sie entsetzt die ›revolutionäre Kraft‹ durch die Grenzöffnung entweichen zu sehen.
1990 bis ’92 leitete Leukefeld das soziokulturelle Zentrum ZORA e. V. in Halberstadt, wo auch Hans-Hermann Richter Kunstkurse in Malerei anbot. Dann, zwei Jahre nach der Maueröffnung, ging sie nach London, um ihr Englisch aufzubessern und blieb, um Kunst zu studieren. 2013 initiierte sie die Gründung des Monat_Kunst_Halberstadt e. V., und somit der MKH-Biennale, die sie in den ersten Jahren von England aus organisierte. Die Londoner Jahre empfand sie als künstlerisch befreiend, sie kehrt aber 2019 vom Brexit und dessen Folgen in Großbritannien erschüttert, nach Halberstadt zurück. Sie fühlte sich, als ob ihre Flügel beschnitten wurden.
An der Mühle gab es ein ständiges, betriebsames Kommen und Gehen, wie in einem Bienenschwarm, und auch das Haus der Herres war immer mit Gästen gefüllt. Es wurden wilde Feste gefeiert, und es wurde oft bis spät in die Nacht debattiert. In Anlehnung an diese geselligen Zusammenkünfte zeigt ilka Leukefeld auf der VI. MKH-Biennale eine mehrteilige Videoinstallation mit Interviews aller sieben, an der 2026 Biennale beteiligten Künstler:innen. Leukefeld führte die Gespräche inhaltlich in deren Ateliers und der Doku-Filmemacher/Kameramann Mirko Beutler dokumentierte diese filmisch im Video-Format. Beide arbeiten seit über dreißig Jahren periodisch an gemeinsamen Projekten und haben diese Arbeit als interaktive Gesprächsrunde angelegt.
Leukefeld wählte bewusst eine so persönliche Perspektive. Die Nähe und Vertrautheit der interagierenden Künstler:innen wird damit unterstrichen und zeigt, dass Kunst keine Grenzen kennt, dass Kunst sehr wohl eine wichtige persönliche, als auch eine gesellschaftliche Kommunikationsquelle für zeitgenössische Debatten ist. ilka Leukefeld organisiert hier für GEGENWART UND REFLEXION eine Artist-led exhibition, eine Ausstellung, die keine:n Kurator:in erfordert, da die Künstler:innen gemeinsam die auszustellenden Werke auswählen und wichtige Schritte der Vorbereitung und des Aufbaus gemeinsam besprechen. Diese Form der Ausstellungsgestaltung praktiziert Leukefeld seit vielen Jahren erfolgreich im In- und Ausland. Die im Katalog Erwähnten und in der Ausstellung Beteiligten, sind leider nur ein Bruchteil derer, die Erwähnung hätten finden können. Es gibt also durchaus Perspektiven zur nachhaltigen Fortsetzung dieses Kunstprojektes.
ilka Leukefeld
Installationskünstlerin
| 1983–86 | Lehre als Orthopädieschuhmacherin, Halberstadt/Ohrdruf |
| 1992–94 | Cambridge-Zertifikat, Fachkenntnisse der englischen Sprache, London |
| 1994–95 | BTEC Foundation Course in Art and Design, Kingsway College, London |
| 1995–98 | BA (Hons) Bildende Kunst, Goldsmiths Universität, London |
| 2007–09 | MA Bildende Kunst, Wimbledon-Universität der Künste, London |
Künstlerresidenzen / Stipendien
| 2025 | k23_artstudio Keramikos, Athen, Griechenland |
| 2025 | Finanzierung Reisekosten Athen Studienreise, Barheine Stiftung, Halberstadt |
| 2023 | Kultur ans Netz Arbeitsstipendium, Sachsen-Anhalt |
| 2021 | Kultur ans Netz Arbeitsstipendium, Sachsen-Anhalt |
| 2021 | Kunststiftung Sachsen-Anhalt ›Kinderleicht‹ – Martineum Gymnasium Halberstadt |
| 2020 | Kultur ans Netz Arbeitsstipendium, Sachsen-Anhalt |
| 2018 | Colbita Künstler-Residenz, Land Sachsen-Anhalt und Landkreis Bistrița, Rumänien |
| 2017 | Arbeitsstipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt / Kloster Bergesche Stiftung |
| 2016 | Arbeitsaufenthalt Vitte, Hiddensee |
| 2014 | Kunstankauf durch die Barheine Stiftung, Halberstadt |
| 2005 | Florence Trust Studios, London |
| 2004 | Kunstverein Röderhof e. V. |
| 2003 | Centro D’Arte Verrocchio, Casole D’Elsa, Italien |
| 2003 | Thornhill Schule Islington, London |
| 2002 | Internationales Symposium, Hundisburg |
Seit dem Studium regelmäßige Ausstellungen im In- und Ausland