Sabina Grzimek, deren Grafiken und großformatige Skulpturen in vielen
Sammlungen und öffentlichen Plätzen unseres Landes zu sehen sind, hat durch die Freundschaft zur
Mühlengemeinschaft, speziell der zu Klaus und Bärbel Herre und deren Tochter ilka Leukefeld,
eine besonders herzliche Beziehung nach Halberstadt entwickelt.
1984 stellte Sabina Grzimek mit in der Martinikirche aus – eine Ausstellung, die vielen lebhaft in
Erinnerung geblieben ist und einen Wegweiser für freiheitliches Denken und künstlerisches Schaffen in
der DDR symbolisierte.
In der Zeit um 1987 engagierte sie Leukefeld des öfteren als Modell in Berlin.
Es entstanden Zeichnungen und Ölmalerei im Marienburger Atelier, andere in Erkner.
Ein Bild daraus befindet sich im Privatbesitz der Galerie Mutare.
Auch zu Hans Scheib hatte Grzimek eine langjährige Verbindung, die mit der von ihm erhofften
Verbandsaufnahme zusammenhing. Denn in der DDR brauchte es dafür zwei Mentor:innen, und diese
Empfehlung kam von der schon erfolgreichen Kollegin.
Eine Studienreise nach Italien und Ausstellungsbeteiligungen, 1983 Österreich und 1988 Ravensburg,
wurden ihr von der Regierung genehmigt, in der DDR eine seltene Ausnahme.
Mit voller Aufmerksamkeit folgte man im Hause Herre den Reiseberichten und aß dabei aus der großen
Tüte frischer Pistazien, die Sabina aus Italien mitgebracht hatte.
Anita Wünschmann i (Berliner Zeitung / 16.08.1998) beschreibt
Grzimek als wichtigste Vertreterin der ›Berliner Schule‹, einer figurativen Kunstbewegung.
Ihre liegenden oder stehenden Figuren sehen oft verletzlich in ihren rauhen Hüllen aus Beton,
Gips oder Bronze aus. Große und kleine Menschen, allein oder in Gruppen, große und kleinere Tiere
wirken durch schmal auslaufende, manchmal fehlende Gliedmaßen für einige der sie Betachtenden
scheinbar unvollkommen – doch entwicklen sie gerade durch ihre vermeintliche Unvollkommenheit,
teilweise auch durch deren wilde Bemalung, eine unglaubliche Präsenz, ja sogar eine eigene, sehr
stille Lebensform.
Für die Biennale hat die Künstlerin ein neues Werk geschaffen. Ihre Figuren passen sich nicht an,
sehen die Welt in ihrem eigenen Licht und dokumentieren Grzimeks starke Sichtweise.
Einer Diskussion mit ihrem Enkel, in welcher es um den Ausspruch ›Gott ist tot‹ und dem oft verwirrenden
und Fakten-verdrehenden Effekt von Social-Media ging, entstammt ihr neustes Werk ›Nietzsche, ist tot‹.
i vgl. Anita Wünschmann (Berliner Zeitung/16.08.1998)
Sabina Grzimek
Grafikerin / Bildhauerin
| 1942 geboren in Rom, Vater Waldemar Grzimek hatte 1942 den Rompreis erhalten und verbrachte einen Studienurlaub mit seiner Frau, Christa von Carnap (Malerin / Keramikerin), in der Villa Massimo. | |
| 1961–62 | praktisches Jahr an der Porzellan-Manufaktur |
| 1962–67 | Studium der Bildhauerei in Berlin - Weißensee |
| 1967–69 | freischaffend als Bildhauerin, Malerin und Grafikerin, Berlin Prenzlauer Berg |
| 1969–72 | Meisterschülerin bei Fritz Cremer, Akademie der Künste, Berlin |
| ab 1972 | freischaffend tätig in Berlin und Erkner |
| 1997–2006 | Gastdozentin an der Grafik-Design-Schule, Anklam |
Auszeichnungen
| 1972 | Gustav-Weidanz-Preis |
| 1983 | Käthe-Kollwitz-Preis |
| 1994 | Preis des Kunstfördervereins Weinheim |
| 1996 | Ernst-Rietschel-Kunstpreis der Stadt Pulsnitz |
| 2011 | Brandenburgischer Kunstpreis – Ehrenpreis des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg für ein Lebenswerk |
| 2012 | zum 70. Geburtstag Installation der Figur ›Der aus dem Wasser Steigende‹ aus der geplanten Gruppe ›Sieben Gesten des aufrechten Gangs‹ am Garnisonskirchplatz, Berlin |
| 2014 | Aufstellung der zweiten Figur ›Der Rufer‹ |
| 2019 | Aufstellung der dritten Figur ›Der Denker‹ |
| Sieben weitere Firguren sind noch zu verwirklichen. Die lebensgroßen Figuren wurden 1996 geschaffen und beziehen sich auf sieben Göttinger Professoren, welche sich 1837 gegen die Verfassung im Königreich Hannover auflehnten. Ihre Zivilcourage wurde mit Entlassungen, und sogar Todesstrafen, geahndet und gedenkt den Opfern eines dunklen Kapitels der deutschen Verfassungsgeschichte. | |
Arbeiten in öffentlichen Sammlungen (Auswahl)
| Lindenau-Museum, Altenburg Thüringen | |
| Kupferstichkabinett Berlin | |
| Neue Nationalgalerie Berlin | |
| Artothek im Deutschen Bundestag | |
| Artothek der Zentral- und Landesbibliothek, Berlin | |
| Kunstsammlung des Bezirks Pankow, Berlin | |
| Lyonel Feininger-Museum, Quedlinburg | |
| Kunstsammlung Kloster unserer Lieben Frauen, Magdeburg | |
| Stadt Heilbronn | |
| Stadt Weiheim und private Sammlung |
Seit dem Studium regelmäßige Austellungen im In- und Ausland