In Sangerhausen befindet sich seit 1903 der größte Rosengarten der Welt. Die Namen der Rosen klingen nach fernen Ländern, oder wie aus einem Märchen aus »Tausend und eine Nacht«. Hat das die Reiselust der Künstlerin geweckt? Schmidt zeigte sehr früh eine starke künstlerische Neigung, bemalte alles und wurde ob ihres jungen Alters in einen Zeichenzirkel für Erwachsene aufgenommen. Sie studierte Kunstgeschichte in Leipzig, dann, nach politischen Repressalien, endlich Malerei an der Burg Giebichenstein bei Prof. Sitte. Sie bemerkt schnell, dass sie sich unter der politischen Zwiegesichtigkeit nicht weiter entfalten kann. 1984 migrierte Schmidt fluchtartig.
Sie verarbeitet die Ankunft in West-Berlin in dem Werk »Die Freiheit«, einem Selbstporträt als Akt, in dem Schmidt scheinbar in den Himmel springt. Es entstand 2025 für »Gegenwart und Reflexion«. Ihre Gliedmaßen ausgestreckt, ekstatisch die Weite und Befreiung genießend: »Alles, (fast alles) ist möglich, wenn wir es mit Leidenschaft und festem Willen angehen, und dabei unsere Werte niemals aufgeben. (…) Freiheit bedeutet für jeden etwas anderes. Für mich war und ist es wichtig, sich von etwas zu befreien, das mich an meiner künstlerischen und persönlichen Entwicklung hindert. Als ich ausgereist war, schlug ich regelrecht mit dem Pinsel um mich.« 1985 beginnt sie ein Studium der Malerei an der Hochschule der Künste in Westberlin und wird ’88 Meisterschülerin bei Prof. Karl Oppermann. In einem Laden für Kunstbedarf lernt sie Reinhard Stangl kennen und trifft durch ihn u. a. auf Jürgen Böttcher/Strawalde, Peter Herrmann und Hans Scheib. Von diesem Zeitpunkt an finden immer wieder gemeinsame Ausstellungen statt.
1989 schuf Schmidt eine Reihe von Werken, die sie thematisch dem Mauerfall zuordnet. Am 10.11.1989 kehrt sie aus den USA zurück – die Maueröffnung war wie ein Schock. Sollte sie das, wovor sie aus der DDR entflohen war, wieder einholen? »Der Mauerbrecher«, Gouache auf Papier, sprengt kraftvoll die graue Tristesse.
Auf der Diplomausstellung am Londoner Goldsmiths College lernt sie 1998 ilka Leukefeld kennen. Beide bemerken schnell, dass sie in Berlin gemeinsame Freund:innen haben. 2021 nahm Schmidt mit zwei überdimensionierten Porträts an der Ausstellung »Keine Handbreit Wasser« in der Scheune von Richter in Huy-Neinstedt teil. Die Künstlerin ist auf supranationalen Reisen in der ganzen Welt unterwegs, unterrichtend, meistens aber dokumentierend, was sie auf ihren Wegen sieht: Figuren, Landschaften, Verfallenes und Erblühendes. Zur Finissage der VI. MKH-Biennale gibt Inge H. Schmidt einen zweitägigen Meisterkurs ›Zeichnen und Malerei – Alles in Bewegung‹.
Inge H. Schmidt
Malerin
| 1973–77 | Studium der Kunstwissenschaften und Germanistik an der Universität Leipzig |
| 1979–83 | Studium der Malerei/Freien Grafik an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Halle |
| 1984 | Ausreise aus der damaligen DDR nach West-Berlin |
| 1985–88 | Studium der Malerei an der Hochschule der Künste Berlin |
| 1988 | Meisterschülerin bei Prof. Karl Oppermann |
| seit 1988 | freischaffende Malerin in Berlin |
| seit 1994 | Dozenturen und Lehraufträge an der Fachhochschule Potsdam, Universität Potsdam und der Universität der Künste Berlin |
| 2001 | Gastprofessur FHS Potsdam / Farblehre und Zeichnen |
| seit 2006 | u. a. Dozentin an der Berliner Technischen Kunstschule |
| 2011 | Gastprofessur für Malerei, Staatliche Akademie der Schönen Künste, Baku, Aserbaidschan |
Preise, Stipendien
| 2012 | Verleihung der Ehrendoktorwürde an der Staatlichen Akademie der Schönen Künste, Baku |
| 2004 | 1. Preis des Wandbildwettbewerbs des Quartiersmanagements für den Wassertorplatz 65, Berlin-Kreuzberg, im Auftrag der Bundesregierung und Europäischen Union (und Ausführung) |
| 2001 | Kunstpreis des Fördervereins Verein Berlin Künstler, Beninghauspreis |
| 1995 | Arbeitsstipendium für Malerei des Anderson Ranch Art Centers, Colorado, USA |
| 1993 | Stipendium des Kultusministeriums des Landes Brandenburg |
| 1988 | Preisträgerin des bundesweiten Malereiwettbewerbs »Großstadtimpressionen« des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung |
| 1. Preis des Wandbildwettbewerbs der MEWA Wiesbaden und der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin |
Arbeiten in Sammlungen und öffentlichem Besitz
- Museum of Modern Art Baku, Aserbaidschan
- Bundesregierung Deutschland, Ankauf für Dr. Helmut Kohl
- Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, Ankauf für Dr. Norbert Blüm
- Senator für Kulturelle Angelegenheiten Berlin
- Senat für Bau- und Wohnungswesen
- Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
- Dresdner Bank AG Berlin
- Frankfurter Hypotheken Bank
- Berliner Sparkasse
- Öffentliche Versicherungsgruppe Berlin / Feuersozietät
- Aspen Institut Berlin
- Haus und Grund Berlin
Seit dem Studium regelmäßige Ausstellungen im In- und Ausland