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Helge Leiberg

Helge Leiberg im Atelier, Berlin-Spandau

Helge Leiberg erzählt offen von seiner Leidenschaft zur Kunst und zur Musik. Sein Atelier, anliegend zu den Ateliers von Scheib und Peter Herrmann in Berlin Spandau, ist ein heller Werkhallenraum, mit einem knallorangenen Sofa. Hier befindet sich ein großes Lager an gut verstauten und sehr gut sortierten Kunstwerken. Verschiedenste Skulpturen und große bespannte Leinwände, teils bearbeitet, oder noch in der Bearbeitung, Kataloge und Werkzeuge zeugen von seiner Betriebsamkeit. Wir blättern begeistert in den vielen Zeichnungen und gemalten Büchern. Er zieht »sie reiten wieder« (140 × 160 cm, 2019) aus dem Stauraum. Auch Leiberg hat sich dem Thema der apokalyptischen Reiter gewidmet. Malerisch und cartoonhaft wütend explodieren sie auf ihren Pferden aus der Mitte des Bildes heraus. Ein »KRAWUMM!« der Bildsprache in Farbe.

Leiberg wurde 1954 in Dresden geboren, wo er als kritischer Mensch früh Kontakte und Freundschaften zu anderen Außenseitern in der Kunstszene schließt. 1973 begann er, Bildende Künste in Dresden unter Prof. Gerhard Kettner zu studieren. Ab 1978 setzte er sich mit Musik und Tanz auseinander. 1979 gründete er die Malerband freier Musik mit Michael Freudenberg und A. R. Penck, zusätzlich gab er seine erste Projektionsmalerei »Die Übersiedlung auf einen anderen Planeten findet nicht statt – Haus Erde«. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Multimedialität in Leibergs Kunst elementar. Er bereiste Vorderasien und Osteuropa, führte an Filmen Regie und nahm ’79 in Dresden an einer Bezirksausstellung teil. Auf der IX. Kunstausstellung der DDR waren Leiberg und u. a. Sabina Grzimek und Peter Herrmann zu sehen. Aber Leiberg war unbequem. 1983 wurde er ausgewiesen und er siedelte sich in Westberlin an. Dort aktivierte er ein Jahr später die 1979/80 erstmalig aufgetretene O.T.-Band mit A. R. Penck. Die guten Freunde musizieren zusammen und arbeiteten 1989 auch gemeinsam an einem Wandbild für die Universitätsbibliothek Hamburg.

Im Atelier hebt Leiberg ein Werk hervor. »Das ist mir sehr wichtig« und er wickelt vorsichtig »das Pferd« (Band O.T.), (240 × 150 cm, 1993) aus seiner Schutzhülle. Es ist nur ein bisschen Acrylfarbe auf ein wenig Leinwand – trotzdem strotzt und sprüht das Bild vor Kraft und Lebenslust. Die Figuren sind energiegeladen, hochkonzentriert, der Trompeter hat eine Erektion, die Arme des Schlagzeugers fliegen durch die Luft und die Musik ist förmlich zu hören. Das Bild muss unbedingt mit nach Halberstadt, denn Jazz war in der Martinikirche keine Begleiterscheinung, sondern eine zelebrierte Kunstform. Ob in der Plastik oder Malerei, seine Figuren sind mit ihren überlangen Gliedmaßen immer in Bewegung. Tanzend, sich aufbäumend, ineinander verschlungen, und wie in seinem Werk »Spizzeltanz« von 1996, auf Zehenspitzen schlingernd, als ob es nur einen weiteren Schritt bräuchte, um den Bildrand zu überschreiten.

2010 gründete Leiberg das Projekt »Gamble & Hope«. Mit Almut Kühne, Lothar Fiedler und Heiner Reinhardt tritt er in jazzorientierten Live-Performances auf, bei denen er durch das Noise-Painting eine musikalische Reaktion auf die projizierten Folienzeichnungen erzielt. Zur Eröffnung der VI. MKH-Biennale sind sie mit einer Live-Performance dabei.

Helge Leiberg – Spizzeltanz
Helge Leiberg – sie reiten wieder, 2019
Links: »Spizzeltanz«, Acryl auf Leinwand, 200 × 320 cm, 2-teilig — Rechts: »sie reiten wieder«, 140 × 160 cm, 2019

Helge Leiberg
Maler, Bildhauer und Performer

1954 geboren in Dresden-Loschwitz
1973–78 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Prof. Gerhard Kettner
seit 1978 Beschäftigung mit Free Jazz, Neuer Musik, Film, Tanz und deren multimedialer Verbindung
1979 Malerband freier Musik mit Michael Freudenberg und A. R. Penck
Studienreise mit drei Künstlerkollegen nach Armenien, Georgien (Samarkand, Taschkent, Alma-Ata) und Moskau
1980/82 Gemeinschaftsbilder mit Veit Hofmann zum Thema Tanzimprovisation, angeregt durch sonntägliche Treffen mit den Solisten des Dresdner Staatsopernballetts
1983 Mai, Aktion zum »Tag des Freien Buches«, ein Gemeinschaftsbuch mit Christine Schlegel, Claus Weidensdorfer, Veit Hofmann, Lothar Fiedler und Volker Palma
1984 Mai, Ausweisung aus der DDR, Umzug nach Westberlin
1987 Gründung Droysen Keramikwerkstatt und Galerie, Berlin-Charlottenburg
1989 Zusammenarbeit mit A. R. Penck an einem Wandbild für die Universitätsbibliothek Hamburg
1990 Gründung der Gruppe GOKAN, Erfindung des »noisepainting«

Auszeichnungen und Ehrungen

1985 Arbeitsstipendium des Senats für Kulturelle Angelegenheiten
1987 Atelierstipendium des Senats für Kulturelle Angelegenheiten
2013 Brandenburgischer Kunstpreis für Malerei
2023 Ehrenpreis des Brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke für das künstlerische Lebenswerk

Seit dem Studium regelmäßige Ausstellungen im In- und Ausland

Auf einen Blick

30. August – 27. September 2026
Martinikirche · Halberstadt
Öffnungszeiten Mo–So 11:00–16:00