Gegenwart und Reflexion
Im Landkreis Harz eröffnet am 30.08.2026 in Halberstadt die VI. MKH-Biennale, denn die Kunstwelt steht nie still. Sie reflektiert konstant die von der Vergangenheit geprägte Gegenwart. Die VI.MKH-Biennale versammelt Künstler:innen aus verschiedenen Regionen Ostdeutschlands, die dem System in der DDR kritisch gegenüberstanden und die sich auch heute kritisch mit ihrer Gegenwart auseinandersetzen. Sabina Grzimek, Peter Herrmann, Helge Leiberg, ilka Leukefeld, Hans-Hermann Richter, Hans Scheib, Inge H. Schmidt und Johann-Peter Hinz, zu dessen Ehren ein Skulpturenpfad durch Halberstadt führt, stellen zur Reflexion der Gegenwart in der diesjährigen Biennale ihre Werke zur Verfügung.
Dafür danken wir ihnen sehr. Dem Vorsitzenden, Dr. med. Frank Aedtner und dem Vorstand des Kuratorium Stadtkultur Halberstadt e. V., der Stadt Halberstadt als Schirmherrin mit Daniel Szarata als Oberbürgermeister und der Direktorin des Gleimhauses, Dr. Ute Pott, deren Wissen und Hilfsbereitschaft von unschätzbarem Wert für die Wegbereitung der Biennale sind, danke ich hiermit ganz herzlich für ihre großzügige Unterstützung. Der Hochschule Harz stellen wir in Kooperation in Zusammenarbeit mit der Stadt Halberstadt seit 2014 eine Praktikumsstelle zur Verfügung. Dem Praktikanten, Martin Kraus und Franziska Eggert-Münnich des MKH-ORGATeams, ehrenamtlichen Kräften, der Kooperation mit der evangelischen Kirchgemeinde, dem MKH-Freundeskreis und all unseren Sponsor:innen gilt an dieser Stelle unsere tiefe Anerkennung.
Unser Dank geht auch an Ursel Scheib (Alias: Anna Cumin), für die Leihgabe der apokalyptischen Reiter, denn ausschlaggebend für die Entwicklung der Ausstellung GEGENWART UND REFLEXION war ein Satz des Bildhauers Hans Scheib. Mit seiner Familie und einigen Freund:innen saßen wir in einer gemütlichen Landkneipe in der Nähe seines Ateliers in Stegelitz in der Uckermark. Im Gespräch bemerkte er: »Ich hatte schon immer eine Affinität zu Halberstadt und würde da gerne nochmal ausstellen.« Schon 1970 führte der Besuch von Scheib und anderen Dresdener Kunststudent:innen, um den Domschatz, das Gleimhaus und die Martinikirche zu besichtigen, zu freundschaftlichen Beziehungen zu Bärbel und Klaus Herre, Hans-Hermann Richter und Johann-Peter Hinz, der damals in Halberstadt ansässigen Pfeffermühlen-Gemeinschaft. In den achtziger Jahren begann der Metallgestalter Hinz Ausstellungen in der Martinikirche zu initiieren, und lud dazu unter anderem Hans Scheib und Sabina Grzimek ein. Die erste Ausstellung hinterließ bei vielen Menschen prägende Eindrücke.
Über die Jahre entwickelten sich generationsübergreifende Freundschaften zwischen den Berliner und Halberstädter Künstler:innen. Die Verbundenheit und langjährigen Freundschaften zeigen, dass Kunst nicht nur eine individuelle Ausdrucksform ist, sondern auch ein Mittel zur Verständigung und zur Überwindung von Barrieren und Vorurteilen, persönlichen Erlebnissen oder politischen Ereignissen sein kann. In einer Zeit, die von Spaltungen und Konflikten geprägt ist, setzen diese Menschen mit Kunst ein starkes Zeichen des freiheitlichen Denkens. Sie zeigen, dass Kunst eine universelle, grenzübergreifende Sprache ist, die zusammenführt und Verbindungen schafft. Die Ausstellenden sind national und international wahrnehmbar. Durch langjährige Ausstellungsbeteiligungen und Publikationen, durch regionale Projekte, Kunstworkshops, Symposien, Kunst-Residenzen, internationalen Kooperationen oder in der Öffentlichkeit installierten Werken, leisten sie einen markanten Beitrag und schaffen es, einen Bogen zwischen Tradition und Moderne zu kreieren. Die im Rahmen dieser Biennale ausgestellten Kunstobjekte gewinnen auch mit Blick auf die unmittelbare Zukunft an Bedeutung – die langsam schwindenden demokratischen Werte innerhalb der deutschen Politik, eine sich, so scheint es, immer weiter ausbreitende Ablehnung neuer Entwicklungen und die Ignoranz der Oberschicht gegenüber der Hilfsbedürftigen. All dies sind Punkte, die die Relevanz der kritischen Betrachtung politischer Vorgänge, egal ob in Form einer Bildinterpretation oder eines offenen Gesprächs, bedingen. Die Gäste der Biennale sind herzlichst eingeladen den Diskurs zu suchen und durch Meinungsaustausch und Reflexion mögliche neue Erkenntnisse und Blickwinkel einzuholen.
Auch in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen kann die Begegnung mit Kunst wichtige Impulse für Kreativität und kritische Reflexion setzen. In Kooperation mit Kindergärten, Schulen und Berufsbildungszentren finden daher Workshops und Führungen statt. Zusätzlich bieten wir Vorträge und Gesprächsrunden an, um einen demokratieoffenen Raum im Kunstgeschehen zu kreieren. Fördermittel wurden dafür vom Bündnis »Partnerschaft für Demokratie Landkreis Harz« zur Verfügung gestellt, und wir danken Frau Selke und ihren Mitarbeiter:innen sehr dafür.
Ein Satelliten-Kunstpfad, beginnend in der Martinikirche, ermöglicht einen Streifzug durch Halberstadt. Zwei noch nie in Halberstadt ausgestellte, kleine Figuren und der beindruckende Stahlleuchter unseres Freundes, Künstlers und Ehrenbürgers der Stadt Halberstadt, Johann-Peter Hinz führen von der Martinikirche durch die Stadt bis zum Hauptbahnhof, wo seine Skulpturen zu erleben sind. Gleichzeitig stellt dieser Kunstpfad eine Verbindung zu anderen Sehenswürdigkeiten, Institutionen und Kunstprojekten, wie z. B. dem Cage Projekt im Burchardikloster her. Die MKH-Biennale bringt seit 2014 junge, nationale und internationale Kunst nach Halberstadt. Diesmal widmen wir uns Künstler:innen, die voller Lebenserfahrung stecken. Einige der Ausstellenden wurden als Kleinkind durch Kriegserlebnisse des zweiten Weltkrieges traumatisiert, andere verarbeiten die Erlebnisse ihrer eigenen Familien während der Diktatur des Dritten Reichs – immer kritisch, immer prüfend; oder waren betroffen von den Auswirkungen der darauffolgenden Entwicklungen. Ihre künstlerische Praxis ist trotz allem, oder gerade deswegen, fest verankert in der Gegenwart.
Von einem Meisterkurs im Zeichnen und der Malerei, bis hin zu verschiedenen Performances im sakralen Raum der Martinikirche, den sich Bürger:innen und Künstler:innen schon in den 80er Jahren zu eigen machen, eröffnet die Biennale ihren Besuchern ein breites Spektrum an Angeboten. Dieses künstlerisch wertvolle und auf größtenteils ehrenamtlichen Schultern getragene Kunstprojekt, verwandelt immer wieder einzigartige Orte auf einzigartige Weise. Das MKH-Biennale-Team bietet Ihnen, dem Publikum, Möglichkeiten zur Kontemplation und Debatten im öffentlichen Raum, ganz nach griechisch demokratischen Vorbildern. Tiefe Gedankengänge, die durch Geschichte und zeitgenössisches Geschehen führen, werden zur Betrachtung geteilt – und, liebe Kunstliebende, Kunstsehnsüchtige und neugierig Schauende, es ist mir nicht nur eine Freude, sondern ein wirkliches Bedürfnis diese Kunstausstellung in Halberstadt zu zeigen.
Ich wünsche Ihnen allen eine inspirierende, friedvolle und gesellige Zeit auf der VI. MKH-Biennale.
ilka Leukefeld
Initiatorin der MKH-Biennale